Der BAföG-Höchstsatz liegt seit der letzten Anpassung bei 992 Euro pro Monat. Klingt nach einer runden Summe, bis man die Mietpreise in deutschen Universitätsstädten dagegenhält. In München oder Frankfurt zahlen Studierende für ein WG-Zimmer schnell 700 Euro und mehr. Was bleibt, reicht für Lebensmittel, Semesterbeitrag und Lernmaterialien kaum noch. Das ist kein Einzelfall, sondern ein strukturelles Problem, das sich in den vergangenen Jahren verschärft hat.
Warum BAföG strukturell zu kurz greift
Das Bundesausbildungsförderungsgesetz wurde geschaffen, um Studierenden unabhängig vom Elternhaus eine Chance auf akademische Bildung zu geben. In der Praxis erreicht es dieses Ziel nur begrenzt. Laut Angaben des Statistischen Bundesamts erhalten weniger als ein Drittel aller Studierenden überhaupt BAföG. Der Rest fällt entweder durch die Einkommensgrenzen oder durch andere Fördervoraussetzungen aus dem Raster.
Wer BAföG bezieht, bekommt meist nicht den Höchstsatz. Der individuelle Förderbetrag ergibt sich aus dem Einkommen der Eltern, dem eigenen Einkommen und der Wohnsituation. Viele Studierende landen bei 300 bis 500 Euro monatlich, was in keiner deutschen Großstadt kostendeckend ist. Hinzu kommt: BAföG gibt es maximal bis zum Ende der Regelstudienzeit. Verlängerungen sind möglich, aber mit bürokratischem Aufwand verbunden und keineswegs garantiert.
Typische Situationen, in denen eine Lücke entsteht
Es gibt konkrete Lebenslagen, in denen der BAföG-Betrag nicht ausreicht und ein Zuverdienst durch Nebenjob kaum möglich ist:
- Prüfungsphasen und Abschlussarbeiten: Wer eine Bachelor- oder Masterarbeit schreibt, hat oft keine Zeit für Erwerbstätigkeit. Genau in dieser Phase laufen die Kosten aber weiter.
- Pflichtpraktika im Ausland: Stipendien decken selten alle Kosten. BAföG-Auslandszuschläge helfen, sind aber ebenfalls begrenzt.
- Studium jenseits der Regelstudienzeit: Wer das Studium aus persönlichen Gründen verlängert, verliert den BAföG-Anspruch, hat aber noch keine Einnahmen.
- Studiengänge mit hohem Materialaufwand: Architektur, Medizin oder Ingenieurwissenschaften verursachen Ausgaben für Software, Fachbücher oder Laborbedarf, die im BAföG-Regelsatz nicht eingepreist sind.
Was ein Studienkredit konkret bedeutet
Ein Studienkredit ist kein normaler Ratenkredit. Er wird in der Regel monatlich ausgezahlt, hat vergleichsweise niedrige Zinsen und ist auf die besondere Situation von Studierenden ohne regelmäßiges Einkommen ausgelegt. Die bekannteste Variante ist das KfW-Studienkredit-Programm, aber auch einzelne Bundesländer und Hochschulen bieten eigene Modelle an. Wer prüfen möchte, wie sich ein Studienkredit mit BAföG konkret kombinieren lässt, sollte dabei auf Auszahlungsrhythmus, Zinsbindung und Rückzahlungsstart achten, denn diese drei Faktoren bestimmen die tatsächliche Belastung nach dem Studium.
Ein Beispiel: Der KfW-Studienkredit zahlt derzeit zwischen 100 und 1.000 Euro monatlich aus. Der Zinssatz wird halbjährlich angepasst und lag in den vergangenen Jahren zwischen zwei und fünf Prozent. Die Rückzahlung beginnt frühestens sechs Monate nach dem Ende der Förderphase, also nachdem das Studium abgeschlossen ist. Das gibt Zeit, um in den Beruf einzusteigen, bevor die erste Rate fällig wird.
BAföG und Studienkredit kombinieren: Was dabei zu beachten ist
Beide Finanzierungswege schließen sich nicht aus, sie funktionieren aber auch nicht automatisch reibungslos nebeneinander. BAföG wird zur Hälfte als Darlehen und zur Hälfte als Zuschuss gewährt. Der Darlehensanteil ist auf 10.010 Euro begrenzt, was eine der wenigen echten Schutzregelungen im System ist. Ein Studienkredit hingegen ist ein vollständiges Darlehen, das vollständig zurückgezahlt werden muss.
Wer beide Instrumente nutzt, sollte am Ende des Studiums wissen, welche Gesamtschuld wartet. Die folgende Übersicht hilft bei der Einordnung:
| Merkmal | BAföG-Darlehensanteil | KfW-Studienkredit |
|---|---|---|
| Rückzahlungsdeckel | 10.010 Euro | Kein Deckel |
| Zinsen | Keine (zinsfrei) | Variabel, aktuell ca. 2 bis 5 % |
| Rückzahlungsstart | 5 Jahre nach Ende der Förderung | Ca. 6 Monate nach Studienende |
| Einkommensabhängige Raten | Ja, auf Antrag möglich | Nein, feste Raten |
Alternativen und ergänzende Wege
Wer den Kreditweg skeptisch betrachtet, sollte auch andere Möglichkeiten kennen. Stipendien der Begabtenförderwerke sind zwar an Leistung oder Engagement geknüpft, bieten aber monatliche Förderung ohne Rückzahlungspflicht. Die Begabtenförderungswerke in Deutschland umfassen dreizehn vom Bund geförderte Organisationen mit unterschiedlichen Ausrichtungen, von politisch bis konfessionell. Die Konkurrenz ist hoch, aber ein Antrag lohnt sich trotzdem.
Wer dagegen flexibler in der Studiengestaltung ist, kann auch über einen Teilzeitstudiengang nachdenken. Einige Hochschulen ermöglichen dies inzwischen offiziell, was eine Erwerbstätigkeit neben dem Studium erleichtert. Der Nachteil: BAföG gibt es für Teilzeitstudiengänge in der Regel nicht.
Wann ein Studienkredit wirklich sinnvoll ist
Die Entscheidung für einen Studienkredit sollte nicht aus einem kurzfristigen Engpass heraus fallen. Sie ist dann sinnvoll, wenn eine konkrete Finanzierungslücke über mehrere Semester absehbar ist, wenn Nebentätigkeit das Studium nachweislich verzögern würde oder wenn das gewählte Berufsfeld nach dem Abschluss ein Einstiegsgehalt erwarten lässt, das eine Rückzahlung realistisch macht. Wer ein Studium in Sozialarbeit oder Lehramt abschließt, steht vor einem anderen Rückzahlungsdruck als jemand mit Abschluss in Wirtschaftsinformatik oder Medizin.
Ein Studienkredit ist kein Versagen und kein letzter Ausweg. Er ist ein Finanzierungsinstrument mit klar definierten Bedingungen, das dann Sinn ergibt, wenn die Bedingungen zum eigenen Studienverlauf passen. Wer diese Rechnung nüchtern aufmacht, trifft eine informierte Entscheidung statt eine erzwungene.