Wer mit Mitte zwanzig studiert, hat häufig schon gearbeitet. Genau dafür gibt es den Tatbestand in § 11 Absatz 3 BAföG: Nach einer mindestens dreijährigen Berufsausbildung und drei Jahren Erwerbstätigkeit wird das Einkommen der Eltern nicht mehr angerechnet. Ohne Ausbildung sind es fünf Jahre Erwerbstätigkeit nach dem 18. Geburtstag. In beiden Fällen entfällt Formblatt 3 der Eltern vollständig.
Welche Zeiten zählen
Erwerbstätigkeit heißt nicht irgendein Job. Die Verwaltungsvorschrift verlangt, dass das Einkommen den eigenen Lebensunterhalt gesichert hat. Als Richtwert gilt ein Netto mindestens in Höhe des BAföG-Bedarfs, also aktuell rund 990 Euro im Monat. Ein Minijob zählt deshalb nicht, eine Teilzeitstelle mit 1.400 Euro netto schon.
Mitgerechnet werden außerdem Wehrdienst und Freiwilligendienste, Zeiten der Kindererziehung bis zum zehnten Lebensjahr des Kindes, Pflege von Angehörigen und Arbeitslosigkeit mit Leistungsbezug, letztere aber nur anteilig. Eine Ausbildung, die kürzer als drei Jahre war, wird mit zusätzlichen Berufsjahren aufgefüllt, bis insgesamt sechs Jahre erreicht sind.
Der Nachweis, der immer funktioniert
Fordere bei der Deutschen Rentenversicherung einen Versicherungsverlauf an. Er listet jeden versicherungspflichtigen Monat mit Entgelt und ist für das Amt das verlässlichste Dokument. Arbeitszeugnisse reichen nur, wenn daraus Zeitraum und Umfang hervorgehen. Für Selbständige gelten Steuerbescheide.
Was sich an der Höhe ändert
Nichts am Bedarf. Du bekommst bis zu 992 Euro, dein eigenes Einkommen und Vermögen werden wie bei allen anderen angerechnet. Auch das Einkommen eines Ehegatten zählt weiterhin. Was wegfällt, ist allein die Zeile für die Eltern. Wer vorher viel verdient hat, sollte das Vermögen prüfen: Der Freibetrag liegt unter 30 bei 15.000 Euro, ab 30 bei 45.000 Euro.
Der häufigste Fehler
Viele rechnen die Monate großzügig und kommen auf 36. Das Amt rechnet auf den Tag genau und streicht Monate mit zu niedrigem Einkommen. Wer bei 34 Monaten landet, hat keinen Anspruch auf die elternunabhängige Förderung und muss die Eltern doch einbinden. Prüfe die Monate deshalb vor dem Antrag mit dem Versicherungsverlauf in der Hand, nicht aus dem Gedächtnis.
Wie viel am Ende bleibt, zeigt der BAföG-Rechner mit der Einstellung „elternunabhängig“. Welche Formblätter du dann brauchst, sagt der Antragsassistent.