Wer im Studium nebenbei Geld verdienen will, stößt schnell auf Nachhilfe. Der Einstieg ist niedrigschwellig, die Nachfrage konstant hoch, und die Zeiten lassen sich meist um Vorlesungen und Prüfungsphasen herum planen. Klingt gut, aber wie sieht das in der Praxis aus? Dieser Artikel geht auf die konkreten Verdienstmöglichkeiten, den Organisationsaufwand und die steuerlichen Pflichten ein.
Was Nachhilfe als Nebenjob wirklich bedeutet
Nachhilfe geben heißt nicht automatisch, dass man ein Unternehmen gründen muss. Wer einzelne Schülerinnen und Schüler privat unterrichtet, übt in der Regel eine selbstständige Tätigkeit aus, die freiberuflich eingestuft wird. Lehrende Tätigkeiten fallen laut Einkommensteuergesetz unter die freien Berufe, sofern man die Inhalte eigenverantwortlich vermittelt. Das erspart die Gewerbeanmeldung, nicht aber die Steuererklärung.
Daneben gibt es die Möglichkeit, über Nachhilfeinstitute oder Plattformen angestellt oder auf Honorarbasis zu arbeiten. Dort gibt es feste Stundensätze, aber auch weniger Flexibilität. Wer selbst Schüler akquiriert, verdient pro Stunde mehr, trägt aber das Risiko von Ausfällen allein.
Stundenlöhne und realistische Einnahmen
Private Nachhilfestunden werden je nach Fach, Region und Klassenstufe zwischen 15 und 40 Euro pro Stunde abgerechnet. In Großstädten wie München, Hamburg oder Frankfurt liegen die Preise eher am oberen Ende. Für Mathematik in der Oberstufe oder Abiturvorbereitungskurse in Naturwissenschaften sind 30 bis 35 Euro keine Seltenheit. Grundschulnachhilfe bringt dagegen selten mehr als 18 bis 22 Euro.
Wer zehn Stunden pro Woche unterrichtet und im Schnitt 25 Euro verlangt, kommt auf rund 1.000 Euro im Monat brutto. Davon gehen eventuelle Fahrtkosten und der Steueranteil ab. Realistisch bleiben nach allem oft 700 bis 800 Euro netto, wenn man die Freibeträge ausschöpft. Für Studierende, die gleichzeitig BAföG beziehen, ist dieser Wert unmittelbar relevant, denn Nebeneinkommen wird auf den Förderbetrag angerechnet.
BAföG-Grenze und Einkommensanrechnung beachten
Wer BAföG erhält, darf nicht unbegrenzt dazuverdienen. Der anrechnungsfreie Freibetrag liegt derzeit bei 5.400 Euro im Kalenderjahr, also 450 Euro im Monat als Jahresschnitt. Überschreitet das Nettoeinkommen diesen Wert, wird der überschießende Betrag anteilig auf die BAföG-Leistung angerechnet. Bei zehn Stunden Nachhilfe pro Woche zu guten Stundensätzen kann dieser Freibetrag schnell überschritten werden.
Das bedeutet nicht, dass Nachhilfe sich nicht lohnt, aber die Kalkulation muss stimmen. Wer zu wenig verdient, um den Einkommensverlust beim BAföG auszugleichen, sollte die Stundenzahl entsprechend anpassen. Eine Orientierung: Bei 25 Euro pro Stunde und fünf Stunden pro Woche über neun Monate entstehen rund 4.500 Euro Jahreseinkommen, also knapp unter dem Freibetrag.
Selbst starten oder Plattform nutzen
Wer ohne Vorerfahrung mit Nachhilfe beginnt, fragt sich oft, wie man überhaupt an Schüler kommt. Schwarze Bretter an Schulen, Supermarktaushänge oder Empfehlungen im Bekanntenkreis funktionieren nach wie vor zuverlässig. Online hat sich daneben ein eigenes Ökosystem entwickelt. Vergleichsportale und regionale Anbieter vermitteln Kontakte und nehmen dafür eine Provision oder einen Monatsbeitrag.
Wer sich gezielt informieren will, wie der Einstieg in die Nachhilfe als Nebenjob konkret funktioniert, findet bei regionalen Anbietern oft praxisnahe Informationen zu Stundensätzen, Fächern und Ablauf. Gerade für den Anfang ist es sinnvoll, sich ein realistisches Bild der lokalen Nachfrage zu verschaffen, bevor man Aufwand in Eigenwerbung steckt.
Plattformen bieten den Vorteil, dass die Vermittlung übernommen wird. Nachteil: Man hat weniger Kontrolle über die Schülerauswahl und zahlt Gebühren. Wer langfristig plant, fährt mit einem eigenen kleinen Kundenstamm oft besser. Drei bis vier regelmäßige Schüler pro Woche reichen aus, um ein stabiles Nebeninkommen aufzubauen.
Organisatorisches und steuerliche Pflichten
Als Freiberufler muss man sich beim Finanzamt anmelden und eine Einkommensteuererklärung abgeben. Dazu reicht ein formloses Schreiben oder das Ausfüllen des „Fragebogens zur steuerlichen Erfassung“, der online über das Elster-Portal verfügbar ist. Ein Gewerbe ist, wie erwähnt, nicht erforderlich.
Wer weniger als 22.000 Euro Jahresumsatz erzielt, kann die Kleinunternehmerregelung nach Paragraf 19 UStG nutzen. Das bedeutet: keine Umsatzsteuer auf den Rechnungen ausweisen, keine Umsatzsteuervoranmeldungen, deutlich weniger Verwaltungsaufwand. Für die meisten Studierenden, die Nachhilfe geben, ist das die sinnvolle Option.
Eine einfache Einnahmen-Ausgaben-Tabelle reicht für die Buchhaltung völlig aus. Fahrtkosten zur Unterrichtsstätte, Arbeitsmaterialien und anteilige Raumkosten bei Heimunterricht lassen sich als Betriebsausgaben absetzen. Wer Quittungen sammelt und Fahrten dokumentiert, spart am Ende einige Euro Steuern.
Kurzübersicht: Vor- und Nachteile auf einen Blick
- Flexible Zeiteinteilung: Termine lassen sich individuell mit Schülern und Eltern abstimmen
- Kein Startkapital nötig: Stift, Papier und Fachkenntnisse reichen für den Einstieg
- Einkommensausfall bei Krankheit: Fällt eine Stunde aus, fehlt auch das Geld
- Schwankende Nachfrage: Vor Klausurphasen viel Arbeit, in den Ferien kaum Anfragen
- BAföG-relevantes Einkommen: Freibetrag im Blick behalten, um Rückforderungen zu vermeiden
- Steuerpflicht: Freiberufliche Anmeldung und Steuererklärung sind Pflicht
Welche Fächer und Zielgruppen besonders gefragt sind
Mathematik ist das mit Abstand gefragteste Nachhilfefach, gefolgt von Englisch und Deutsch. In der Oberstufe kommen Chemie, Physik und Biologie hinzu. Wer ein MINT-Studium absolviert oder aus einem naturwissenschaftlichen Fach kommt, hat damit einen klaren Vorteil bei der Akquise.
Besonders lohnend ist Nachhilfe für Abiturvorbereitung und für Schüler, die Versetzungsprüfungen oder Nachprüfungen absolvieren müssen. Eltern zahlen in diesen Situationen bereitwilliger höhere Stundensätze. Auch Intensivkurse vor Prüfungen, bei denen man mehrere Stunden pro Woche mit einem einzigen Schüler arbeitet, vereinfachen die Planung erheblich.
Wer Sprachen studiert, findet außerdem einen Markt für Konversationsstunden in Englisch, Französisch oder Spanisch, auch bei Erwachsenen. Diese Klientel zahlt oft mehr und fällt seltener kurzfristig aus als Schüler.
Nachhilfe langfristig planen
Wer Nachhilfe nicht nur für ein Semester, sondern dauerhaft als Nebenjob betreiben will, sollte von Anfang an auf Verlässlichkeit setzen. Feste Wochentermine, klare Absageregelungen und strukturierte Stunden bauen Vertrauen auf, und Empfehlungen sind im Nachhilfebereich das wirksamste Marketinginstrument. Viele Nachhilfelehrer berichten, dass ein zufriedener Stammschüler innerhalb eines Jahres zwei bis drei weitere Kontakte bringt.
Wer sein Studium demnächst abschließt, kann Nachhilfe auch als Übergang nutzen, bis ein Festjob gefunden ist. Die freiberufliche Erfahrung, das eigenverantwortliche Arbeiten und die nachweisbaren Einnahmen sind dabei kein schlechter Eintrag im Lebenslauf.