Studentenkonto eröffnen: worauf es wirklich ankommt

Wer sein Studium beginnt, hat ohnehin genug zu organisieren: Semesteranmeldung, Wohnungssuche, BAföG-Antrag. Das Girokonto läuft dabei oft nebenher, schnell abgehakt. Dabei lohnt sich genau hier ein zweiter Blick, denn zwischen einem ungünstigen Standardkonto und einem gut gewählten Studentenkonto können im Jahr locker 150 bis 200 Euro Unterschied liegen.

Was ein Studentenkonto von einem normalen Konto unterscheidet

Banken bieten Studierenden spezielle Kontomodelle an, weil sie eine attraktive Zielgruppe sind: jung, langfristig bindbar, mit wachsender Kaufkraft. Das Kalkül der Banken ist also nicht rein altruistisch. Dennoch profitieren Studierende davon, denn viele dieser Konten sind im Vergleich zu normalen Girokonten kostenlos oder deutlich günstiger.

Der entscheidende Unterschied liegt in der Kontoführungsgebühr. Bei einem regulären Konto ohne Sonderbedingungen sind monatlich zwischen 5 und 15 Euro die Regel. Ein Studentenkonto ist in vielen Fällen komplett gebührenfrei, solange man den Studierendenstatus nachweist. Dieser Nachweis erfolgt in der Regel jährlich über eine Immatrikulationsbescheinigung.

Außerdem verzichten viele Banken bei Studierendenkonten auf Mindestgeldeingang, der bei normalen Konten oft Voraussetzung für die Gebührenfreiheit ist. Das ist relevant, weil BAföG-Empfänger unregelmäßige Eingänge haben und manche Nebenjobber nur kleine Beträge überweisen.

Gebühren: Die versteckten Kostenstellen

Auch wenn das Konto selbst kostenlos ist, können an anderer Stelle Kosten entstehen, die viele nicht auf dem Schirm haben. Ein klassisches Beispiel ist die Girocard: Bei manchen Banken ist die Ausstellung der Karte einmalig mit 10 bis 15 Euro belegt. Andere berechnen für den Ersatz bei Verlust ähnliche Beträge.

Beim Geldabheben lohnt sich ein genauer Blick auf das Partnernetz. Wer an Automaten außerhalb des eigenen Netzwerks Geld zieht, zahlt oft 2 bis 5 Euro pro Vorgang. Bei einer Direktbank ohne Filialen kann das relevant werden, wenn man nicht in der Nähe eines Partnerautomaten wohnt. Einige Banken stellen hierfür kostenlose Visa- oder Mastercards aus, mit denen man an bestimmten Netzen gebührenfrei abheben kann.

Überziehungszinsen sind ein weiterer Punkt. Viele Banken räumen Studierenden einen Dispo von 500 bis 1.000 Euro ein. Die Zinsen dafür liegen häufig zwischen 9 und 14 Prozent pro Jahr. Wer den Dispo regelmäßig nutzt, für den macht der genaue Prozentsatz einen spürbaren Unterschied. 200 Euro dauerhaft im Minus kosten bei 10 Prozent im Jahr etwa 20 Euro, bei 14 Prozent fast 28 Euro.

Online oder Filiale: Welches Modell passt zum Studium?

Direktbanken ohne Filialnetz bieten die meisten gebührenfreien Studentenkonten. Das funktioniert im Alltag gut, solange man sich mit Apps und Online-Banking anfreunden kann. Für den Großteil der Überweisungen, Daueraufträge und Kontoabfragen reicht das vollkommen aus.

Eine Filialbank macht dann Sinn, wenn man regelmäßig Bargeld einzahlen muss, etwa wenn man auf einem Wochenmarkt jobbt oder Geld von Verwandten bar erhält. Bargeld lässt sich bei Direktbanken in der Regel nicht einzahlen, oder nur gegen Gebühr über Kooperationspartner. Das ist ein konkreter Nachteil, den man kennen sollte.

Wer ein Studentenkonto vergleicht, sollte daher nicht nur auf die monatliche Grundgebühr schauen, sondern auch auf Bargeldoptionen, App-Bewertungen und den Kundensupport, denn gerade bei Kontoproblemen während stressiger Prüfungsphasen will man schnell geholfen bekommen.

Pflichtfelder beim Vergleich: Eine kurze Checkliste

Um den Überblick zu behalten, hilft es, die wichtigsten Punkte systematisch zu vergleichen. Die folgende Tabelle fasst die zentralen Kriterien zusammen:

Kriterium Worauf achten
Kontoführungsgebühr Kostenlos während der Studienzeit, Bedingungen prüfen
Geldabheben Anzahl kostenloser Abhebungen, Netzgröße
Dispo-Zinsen Prozentzahl, Höhe des Rahmens
Kreditkarte Inklusive oder kostenpflichtig, Bedingungen
Bargeldeinzahlung Möglich, und wenn ja, zu welchen Kosten
Nachweispflicht Jährliche Immatrikulationsbescheinigung erforderlich

Was nach dem Studium passiert

Ein Punkt, den kaum jemand beim Kontoeröffnen bedenkt: Was passiert, wenn das Studium endet? Die meisten Banken wandeln das Studentenkonto automatisch in ein reguläres Girokonto um, sobald man den Studierendenstatus verliert. Das bedeutet im Zweifel: Gebühren starten, ohne dass man aktiv etwas getan hat.

Manche Banken informieren rechtzeitig per E-Mail und bieten die Möglichkeit, zu einem anderen Modell zu wechseln oder zu kündigen. Andere tun das nicht proaktiv. Es lohnt sich, die Konditionen im Vertrag einmal konkret nachzulesen und sich im letzten Studienjahr darum zu kümmern, welche Optionen nach dem Abschluss zur Verfügung stehen.

Wer in eine Berufsausbildung wechselt oder direkt ins Berufsleben startet, hat in der Regel ein geregeltes Einkommen und kann dann problemlos ein anderes Kontomodell wählen. Wichtig ist nur, dass man nicht unbemerkt in ein teureres Konto rutscht, ohne es zu merken.

Konto und BAföG: Praktische Hinweise

Wer BAföG bezieht, sollte sichergehen, dass das Konto auf den eigenen Namen läuft. Das Amt überweist ausschließlich auf ein Konto, das dem Antragsteller selbst gehört. Gemeinschaftskonten oder Konten auf den Namen der Eltern werden nicht akzeptiert.

Außerdem kann es beim BAföG-Antrag relevant sein, welche Guthaben auf dem Konto liegen. Das Vermögen, das Studierende besitzen dürfen, ohne dass es auf den BAföG-Anspruch angerechnet wird, liegt bei 15.000 Euro (Stand 2024). Wer regelmäßig spart, sollte wissen, ab welchem Punkt Ersparnisse den Anspruch reduzieren können.

Ein separates Tagesgeldkonto zum Parken von Ersparnissen kann hier eine sinnvolle Ergänzung sein, ist aber ein anderes Thema. Für den laufenden Zahlungsverkehr im Studium gilt: Ein gut gewähltes Girokonto ohne unnötige Kosten ist eine der einfachsten Maßnahmen, um das knappe Studierenden-Budget nicht unnötig zu belasten.

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